Hatten wir das nicht schon mal, das mit der Reise? Ja, nämlich hier. Dieses Mal habe ich aber meine Zeit im Zug damit verbracht, meine Mitreisenden zu beobachten, weil die winterlich kahle Landschaft nicht so viel zum Sehen anbot. Und da waren die Soldaten, die heimwärts reisten und dabei wohl dachten, dass nur die Lauten stark sind, weil sie so lautstark sind. Da war die Mutter, der der kleine Hund in der kleinen Tasche wichtiger war als der kleine Sohn, den sie noch dabei hatte. Da waren die zwei kleinen Prinzessinnen, die nur eine Station weiter fuhren, zu einer Faschingsfeier bei einer Freundin. Da waren die drei Teenager, wenn sie denn schon welche waren, die überlegten, wie sie es schaffen könnten, die Eltern auszutricksen, um eine Nacht mit ihren Freunden verbringen zu können. Und da waren unendlich viele Menschen wie Du und Ich, die ihrem Ziel entgegenschauten und sich auf das Wochenende freuten. Eine kurzweilige Fahrt, trotz unzähligem Umsteigen und Zügen in allen Variationen.
In Bodenrod hatten wir eine tolle Zeit. Wir haben viel gestrickt - ja vor allem vorm Kamin -, viel gelacht, viel geschafft und viele neue Ideen gehabt. Die Unterkunft und das gute Essen dort, kannten wir ja schon. Es war rundum schön, nur wie alles Schöne einfach zu kurz.
Die Rückreise war um ein Vielfaches anstrengender als Hinreise. Die Züge waren überfüllt und laut. In einem Wagen waren diverse Bierflaschen zerbrochen, es stank wie in einer Kneipe und alles klebte. Was noch alles passierte, erspare ich Euch lieber. Aber ich traf auch einen jungen Bundeswehrsoldaten, dem es schlecht ging. Seine Freundin hatte ihn verlassen, per SMS, einen Tag vor seinem Geburtstag. Er suchte eine Schulter zum Ausweinen und bekam sie. Der arme Kerl, er hatte mein volles Mitgefühl, zu gut erinnere ich mich noch an meinen ersten Liebeskummer. Und dann war ich froh, als ich zu Hause war und bin eigentlich nur noch müde ins Bett gefallen.