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Archive for Mai, 2006

Die verstrickte Dienstagsfrage - Woche 22/2006

Dienstag, Mai 30th, 2006

Ich hasse Vernähen und mache das auch wirklich auf den allerletzten Drücker und kurz vorm Verschenken oder allerersten Anziehen. Wie vernäht Ihr Eure Stricksachen? Habt Ihr Tipps, um sich dies leichter zu machen? Oder seid Ihr auch so wie ich?

Zu meinen Lieblingsaufgaben gehört das Vernähen sicher auch nicht. So weit es irgendwie möglich ist, stricke ich zwei Fäden zusammen ab, webe nach der Art von Horst Schulz ein oder - uff - mache auch manchmal einen Knoten (aber nur in den Randmaschen versteckt). Gelegentlich bleiben die Näharbeiten ein paar Tage lang liegen, aber in der Regel vernähe ich die Fäden zeitnah zur Fertigstellung eines Strickstückes. Vielleicht wäre das aber ein Thema, mit dem man sich mal etwas intensiver beschäftigten sollte, um es sich und anderen zu erleichtern.

Hechingen, Teil 2

Montag, Mai 29th, 2006

In Hechingen habe ich viele Frauen wieder getroffen, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Und ich war wie immer fasziniert, dass man sich unterhalten kann, als sei man erst gestern auseinander gegangen, auch wenn zum Teil Jahre zwischen den Begegnungen liegen. Und das nicht nur mit jenen, deren Blog man täglich oder oft liest. So kamen sehr lange und zum Teil auch sehr intensive Gespräche zustande. Und so war auch wie immer die gemeinsame Zeit viel zu kurz. Es reichte dennoch für viele neue Ideen, für Anregungen und neue Pläne.

Der Fabrikladen in Hechingen ist für Strickfreunde ungeheuer faszinierend. Für ein Wollgeschäft ziemlich groß und voller Farben und Dekorationen und faszinierender Wolle in jeder Ecke. Manche Schätze lagen auf großen Tischen für alle sichtbar, manche Schätze entdeckte man erst auf den zweiten Blick. Natürlich habe ich Wolle mitgebracht, aber weniger Sockenwolle und mehr andere Garne. Mischungen aus Wolle und Seide und Ramie, Garne aus Viskose und Wolle. Gefärbt in faszinierenden Farbvariationen - nein, ich bekomme kein Geld für meine Wollschwärmereien ;-) Seit meinem letzten Besuch in Hechingen, der mittlerweile drei Jahre zurück liegt, hat sich viel verändert und ich weiß nicht, wann ich das nächste Mal dorthin fahren kann.

Heute hat Moni mir mein Spinnrad zur Arbeit gebracht. Solveigh und sie hatten es zusammen mit meinen Einkäufen im Wagen mitgenommen und mir so die Schlepperei im Zug erspart. Ein liebes Dankeschön an die Beiden. Als ich dann vorhin zu Hause meine Wolle in den Händen hielt, zogen viele Bilder des Wochenendes durch meinen Kopf. Und ich war froh, dass ich mich letztlich doch entschieden habe, mitzufahren.

Erinnerungen

Sonntag, Mai 28th, 2006

Als ich vorhin am Küchentisch saß und in der neuen Sommerausgabe von Interweave Knits las, stolperte ich über einen ungewöhnlichen Artikel. Und meine Gedanken gingen zurück in den Sommer 1986, als ich - wenige Monate nach dem Unfall in Tschernobyl und wenige Wochen nach dem Queen-Konzert in Mannheim - überraschend ins Krankenhaus kam. Bei einer Routine-Untersuchung hatte man in meiner rechten Brust einen Knoten gefunden, bei dem nicht ausgeschlossen werden konnte, dass er unter Umständen bösartig sei. Ich erinnere mich noch gut an die Angst und an die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen. Meine Angst vor der Operation und ihrem Ergebnis war so groß, dass ich sogar versuchte, noch aus dem OP zu flüchten - daran allerdings erinnere ich mich nicht mehr, das erzählten mir die Schwestern, als ich dann wieder wach war.
Im Laufe der Jahre, die dann kamen, lernte ich einige Frauen kennen, die an Brustkrebs erkrankt waren. Und den intensivsten Kontakt mit diesem Thema hatte ich in den letzten Jahren in der Zusammenarbeit mit einer sehr lieben Kollegin, der man vor sechs Jahren beide Brüste amputiert hatte. Durch sie lernte ich, wie schwierig der Umgang mit den unbequemen Prothesen ist und wie sehr viele Frauen darunter leiden.
In der Interweave Knits fand ich einen Artikel über gestrickte Brustimplantate. Vielleicht ist das eine Hilfe oder wenigstens eine Idee für betroffene Frauen. Eine englische Strickanleitung gibt es hier, eine amerikanische Seite für erkrankte Frauen hier. Ich denke, beides kann hilfreich sein.
Ich hatte damals Glück im Unglück. Der Knoten war gutartig, gehörte aber zu der Sorte, die bösartig werden können, wenn sie nicht entfernt werden. Die Angst,die ich damals hatte, werde ich nie vergessen und ich wünsche jeder Frau, dass ihr eine solche Erfahrung erspart bleibt.

Eine aussterbende Spezies?!

Sonntag, Mai 28th, 2006

Sockenleine
Originally uploaded by wollkistchen.

Seit gestern Abend bin ich zurück von meiner Reise nach Darmstadt und Hechingen. Es war ein tolles Wochenende voller Eindrücke, voller Informationen, voller interessanter Gespräche. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, zu erzählen.
Vielleicht eines vorweg: Der Guiness-Rekord wurde mit 1,2km Sockenleine und sage und schreibe 12 262 Babysockenpaaren erreicht. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang, wieviele Formalitäten und Regeln Guiness für den Rekordversuch vorschreibt. Es dürfen beispielsweise niemals mehr als 15 Personen gleichzeitig an dem Rekordversuch arbeiten. Ein Notar muss das alles abnehmen und bestätigen und er musste alle Sockenpaare zählen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, so unmittelbar dabei zu sein?
Was ich auch unterschätzt hatte (vermutlich, weil ich wohl mit einigen tausend Paaren gerechnet hatte, nicht aber mit solchen Mengen), ist die Tatsache, wie mühsam und langdauernd das Aufhängen der Sockenpaare ist. Damit waren seit Donnerstag Mittag ständig bis in die späten Abendstunden Menschen beschäftigt. Und alleine der Verbrauch an Wäscheklammern - sagenhaft.
Aber auch neben dem Rekordversuch gab es viele Dinge, über die ich mich dieses Mal wundern musste. Wir saßen mit den Spinnrädern in einem kleinen Nebenzelt und wurden natürlich von den angereisten Teilnehmern und dem gesamten Fotografen- und Presseaufgebot fotografiert. Das kann ich ja auch noch nachvollziehen, Spinnräder in Betrieb sieht man eben auch nicht so oft. Das aber auch im großen Zelt die strickenden Teilnehmer wie Affen im Zoo fotografiert wurden, fand ich dann schon nachdenkenswert. Sind Sockenstricker tatsächlich eine aussterbende Spezies, die man fotografieren muss? Es ging dabei auffällig oft nicht um die Menge der Strickerinnen oder um eine Einzelne von uns, sondern schlicht um die Tatsache, dass wir da saßen und strickten. “Wann sieht man schon mal jemanden stricken”, sagte mir ein Besucher, den ich auf das Foto ansprach. Ups.
Wolfgang Zwerger hatte ein gewaltiges Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Fast schon zu viele Veranstaltungspunkte. Manches musste dabei vor allem bei den Workshops unter den Tisch fallen. Besonders gut haben mir die Tänzer gefallen: die Video-Clip-Meister aus Bonn und die Kindergarten-Kinder aus Hechingen. Andere Veranstaltungspunkte fand ich weniger spannend, aber das gehört eben auch dazu.
So, mehr erzähle ich noch in den nächsten Einträge, zu denen ich dann auch noch nach Links suche. Ich denke, die Fernsehberichte wird Wolfgang demnächst auf seiner Homepage zeigen, wer mich kennt, wird mich darin vielleicht auch entdecken ;-) Ein paar meiner Fotos werde ich noch in einem Fotoalbum hochladen.
Übrigens glaube ich, dass es Menschen nach diesem Wochenende gibt, die den Satz “Ich habe noch ein paar Babysocken mitgebracht” nicht mehr so gut ertragen können. Pausenlos wurden in den drei Tagen noch Babysocken abgegeben, es war unglaublich, wieviele Menschen sich mit einem gewaltigen Einsatz an dieser Aktion beteiligt haben. Wenn man dieses Engagement in geordnete Bahnen lenken könnte … hatten wir das nicht schon mal? Ja, doch, nämlich vor ein paar Tagen hier

Die verstrickte Dienstagsfrage - Woche 21/2006

Dienstag, Mai 23rd, 2006

Stricken als Therapie?! Kannst Du Dir das vorstellen? Erinnerst Du Dich an eine Situation, in der Dir das “Stricken” geholfen hat?

Ja, Stricken hat durchaus etwas Meditatives. Man kann dabei die Gedanken laufen lassen und bestimmte Strickstücke erinnern manchmal auch an Situationen, in denen sie entstanden sind.

Nicht umsonst übrigens war aus genau diesem Grunde in Dänemark das Stricken verboten:

Es heißt (…), Königin Sofie habe sich, als sie noch jung war (…), oft in einem kleinen Boot zu dieser Insel rudern lassen [gemeint ist hier die Insel im See von Schloß Frederiksborg], um dort in der Sonne zu sitzen und heimlich ihrer Strickleidenschaft zu frönen. Stricken war im ganzen Land verboten, weil man glaubte, es würde die Frauen in einen Zustand untätiger Trance versetzen, in dem ihre eigentlichen Gedanken davonflogen und der Phantasie Platz machten. Die Männer sprachen von „Wollträumereien“. Daß aus der Wolle nützliche kleine Bekleidungsstücke wie Strümpfe und Nachthauben entstanden, ließ ihre abergläubische Angst vor dem Strickwahn nicht geringer werden. Sie glaubten, jede Nachthaube enthalte zwischen den Millionen Maschen die Sehnsüchte ihrer Frauen, die sie niemals befriedigen könnten und die ihnen daher düsterste Alpträume verursachten. Den gestrickten Strumpf fürchteten sie sogar noch mehr, weil sie in ihm ein Instrument ihrer eigenen Schwächung sahen. Sie stellten sich vor, wie ihre Füße anschwollen und die Beinmuskeln allmählich verkümmerten.

(aus: Rose Tremain, Melodie der Stille, Hanser Verlag, 2000, S. 16/17)

Konfirmation

Montag, Mai 22nd, 2006

Konfirmation
Originally uploaded by wollkistchen.

Gestern hatten wir alle einen wunderbaren Tag und eine schöne Feier. Meine Tochter sah zauberhaft aus und strahlte den ganzen Tag. In der Kirche ging es etwas altmodisch, aber sehr feierlich zu und die Jugendlichen fühlten sich sehr ernst genommen.
Unsere Familie war fast vollzählig versammelt, zum Teil nach weiter und langer Anreise und wir genossen die Gespräche, auch wenn die Zeit wie immer viel zu kurz war. Ganz schnell mussten sich alle wieder auf die Heimreise machen, weil heute ja wieder gearbeitet werden muss.
Besonders gefreut habe ich mich, dass mein Bruder und seine Frau dabei sein konnten. Durch die tausend Kilometer Entfernung zwischen uns sehen wir uns nur noch selten und die wenige Momente sind dann besonders kostbar.

Heute früh ging es dann gleich mit den Handwerkern weiter, die trotz eines bösen Gewitters eine neue Terrassentür einbauen. Ich treffe unterdessen die letzten Reisevorbereitungen. Überraschenderweise musste ich doch die Pläne für die Reise noch ändern. In dem gewählten Zug für die Hinreise gab es keine Sitzplätze mehr im Nichtraucherbereich. Da aber meine Tochter fast die ganze Strecke mitfährt, die als Asthmatikerin keinen Zigarettenrauch vertragen kann, mussten wir mühsam einen anderen Zug wählen. Das war nicht so einfach, hat dann aber doch noch geklappt und wir sind auch nur eine Stunde später in Frankfurt. Dafür klappte es mit der Platzreservierung wenigstens auf dem Rückweg wie geplant.

Und jetzt gehe ich erst noch einmal ein paar Runden stricken, bevor dann neue Aufgaben auf mich warten.

Pünktlich fertig …

Samstag, Mai 20th, 2006

… mit den Vorbereitungen zur Konfirmation. Der erste Besuch ist schon da, logiert aber bei meinen Eltern. Das Haus ist sauber, Essen und Getränke sind besorgt und zum ersten Mal seit Jahren ging alles (fast) ohne Stress über die Bühne. Sollten die vielen Zeitmanagement-Fortbildungen der letzten Jahre vielleicht doch was bewirkt haben? Meine Tochter ist total aufgeregt, und ich kann sie gut verstehen. Der morgige Tag wird noch viele Überraschungen bereit halten, von denen sie noch keine Ahnung hat. Und das ist auch gut so.
Es blieb sogar noch ein wenig Zeit zum Stricken und zwei angefangene Socken sind fertig geworden. Bilder kommen nach der Reise erst, denke ich. Jetzt überlege ich, was ich mit auf die Reise nehme und bin noch völlig unentschlossen. Vielleicht ein paar UFOs, ich muss erst mal schauen, was der Korb noch so hergibt.

Ein bisschen blogmüde …

Sonntag, Mai 14th, 2006

… bin ich im Augenblick. Also mache ich hier mal eine Weile Pause. So recht was zu zeigen, gibt es ohnehin nicht und ich bin jetzt im Endspurt auf die Konfirmation unterwegs. Danach verreise ich für ein langes Wochenende von Mittwoch bis Samstag nach Darmstadt und Hechingen zum großen Sockenstrickertreffen und lasse einfach nur die Beine und die Seele baumeln. Wer mich erreichen möchte, tut das am besten per PM, Listen lese ich derzeit nämlich auch so gut wie keine.
Ich wünsch Euch einen schönen Frühling und bin mal gespannt, wie lange ich es überhaupt aushalte ohne Euch.

Bye for now

Jennifer

Sonntag, Mai 14th, 2006

Liebe Jennifer,

noch immer fehlt hier auf Erden Deine Fröhlichkeit, Dein ansteckendes Lachen, Deine Lebenslust. Du fehlst uns hier und ich wünsche von Herzen, dass Du es besser hast, dort wo Du jetzt bist.
Noch immer macht fassungslos, was vor zwei Jahren geschah und das niemand von uns Deine Verzweifelung hinter Deiner Lebenslust sah.
Noch immer macht mich wütend, wie skrupellos und geldgierig manche Menschen sind und wie leichtfertig sie in ihrer Selbstüberschätzung das Leben anderer Menschen aufs Spiel setzen.

Hier wäre doch noch immer Dein Platz gewesen, Jennifer.

Mehr zu der tragischen Geschichte von Jennifer könnt ihr hier lesen. (Dazu müsst Ihr ein wenig scrollen, ich hatte die Geschichte auf drei Beiträge verteilt.)

Wenn das Wörtchen “wenn” nicht wäre….

Samstag, Mai 13th, 2006

Diesen blöden Spruch kennt Ihr bestimmt auch alle. Und der galt heute für mich. Wenn das Wetter nicht so superschön gewesen wäre, hätte ich bestimmt schon mehr im Haushalt fertig. Und wenn ich nicht unbedingt an allen Teilen gleichzeitig hätte stricken wollen, wäre da vielleicht auch schon was erledigt. Und wenn ich nicht den neuen Roman unbedingt hätte anfangen wollen, hätte ich den ersten jetzt vielleicht geschafft und etwas für Euch zum Vorstellen.
Wäre, hätte, alles Blödsinn. Der Tag ist fast vorbei und ich habe nichts geschafft, nur einen sehr erholsamen Tag auf der Terrasse verbracht. Und dass ist oft mehr wert, als alle erledigten Aufgaben, denke ich. Ein wirklich schlechtes Gewissen habe ich jedenfalls nicht. Ein bisschen Zeit bleibt heute ja noch und vielleicht schaffe ich noch einen Socken … ran an die Nadeln.