Die Organisation des diesjährigen Spinntreffens war mühsam und nervig und als ich mich dann auf den Weg zum Treffen machte, war ich nicht uneingeschränkt nur gut gelaunt. Da wunderte es dann auch nicht, dass die im Routenplaner genannte Autobahnausfahrt - natürlich - gesperrt war und ich einen langen Umweg durch unbekanntes Gelände fahren musste. Aber: nur wenige Meter vor dem Ortseingang von Blomberg spielte das Radio “Viva la Vida” von Coldplay, eines meiner derzeitigen Lieblingslieder. Und was träfe es für so ein Wochenende besser als “Es lebe das Leben”?
Die Jugendherberge war dann schnell gefunden und mich erwartete ein warmherziger, überaus netter Empfang. Die Herbergsmutter war fröhlich, sehr freundlich und völlig unkompliziert. Sie freute sich auf unseren Besuch - und das war deutlich spürbar. Auf die anderen Teilnehmer wartend haben wir dann vor der Herberge in der Sonne gesessen und schon mal ein wenig gesponnen oder gestrickt, Kaffee getrunken und leckeren Kuchen gegessen. So nach und nach kamen alle an, bezogen die Zimmer, erkundeten die Jugendherberge und jeder fragte jeden nach Neuigkeiten seit dem letzten Jahr. Eifriges Erzählen überall.
Der Freitag ist traditionell unser Ausflugstag, der uns in diesem Jahr nach Bielefeld führte. Da stand zuerst das Historische Museum auf dem Programm. Leider gab es auch hier wieder Probleme, die Mitarbeiter hatten die beiden Führungen, die ich gebucht hatte, nicht notiert. Aber es fand sich jemand, der uns durch das Museum führte und später stellte sich heraus, dass es niemand anderes als der kommissarische Leiter war. Von seinem profunden Wissen haben wir natürlich ungeheuer profitiert - und seine Art uns seine Kenntnisse zu vermitteln war weder langweilig noch trocken.
Der zweite Termin führte uns in das Museum Wäschefabrik. Und das war das abolute Highlight unseres Ausflugs. Wie eine Reise zurück in die Vergangenheit, in eine alte Fabrik, in der wie durch ein Wunder alles noch im Originalzustand war. Fast konnte man meinen, die Angestellten kämen gleich durch die Tür und würden ihre Arbeit wieder aufnehmen. Faszinierend - wie die ganze Geschichte dieser Näherei. Kurzweilige zwei Stunden.
Am Abend war der “Sheep-to-Shawl-Wettbewerb” eine aufregende Sache. Erst spinnen, dann weben - und alles auf Zeit. Unsere Gruppe gewann schließlich, insgesamt wurden drei Schals fertig, die wir am Samstag zusammen mit der Decke verlost haben. Aus den Resten der Corriedale-Alpaca-Wolle, die wir für diesen Wettbewerb verwendet haben, wurde von allen noch ein Schal gestrickt. Auch der wurde verlost.
Der Samstag stand im Zeichen der Workshops. Die waren in diesem Jahr kaum gefragt. Das war schade, weil sich die Kursleiter viel Mühe gemacht haben, passt aber insgesamt in das Bild, der sich verändernden Spinntreffen.
Abends wurde dann die Decke verlost, für die jeder Teilnehmer einen Streifen stricken sollte. Kleine Runde, kleine Decke, was ihrer Schönheit keinen Abbruch tat. Jessica hat sie schließlich gewonnen und die Glückliche gewann auch einen der gewebten Schals.
Der gestrickte Schal ging an Susanne, wer den zweiten gewebten Schal gewonnen hat, habe ich leider vergessen. Den dritten Schal und den “Wilden Wassermann” habe ich gewonnen, zum ersten Mal habe ich auch etwas gewonnen. Den Schal zeige ich noch, ich muss ihn erst waschen und spannen. Und die Geschichte vom wilden Wassermann erzähle ich extra, das ist nämlich ein ganz besonderes Stück mit einer ganz besonderen Geschichte.
Am Sonntag war dann die schöne Zeit schon fast wieder vorbei. Wie immer ging es viel zu schnell.
Es war einfach schön, all die bekannten Gesichter wieder zu sehen. Und ein paar neue Spinnsüchtige kennen zu lernen. Jaap, mit seiner umwerfend lustigen Art, wird uns sicher allen im Gedächtnis bleiben. So unvergleichlich lacht nämlich kein anderer - ansteckend
Am Rande des Treffens gab es aber auch einige Dinge, die mir nicht gefielen und über die ich mir eine Menge Gedanken mache. Menschen verändern sich - und nicht immer ist man mit den Veränderungen einverstanden. Und das Wissen, dass manche Menschen eben nur ein Stück des Weges zusammen gehen, macht mich persönlich traurig, dachte ich doch für mich, der gemeinsame Weg mit gerade diesem Menschen sei noch viel länger. Ich werde sehen, wie es sich weiter entwickelt …