Manchmal gibt es offensichtlich Dinge, die sich nicht verändern. Und warum sollten sie auch, spiegeln sie doch unbedingt ein Erfolgskonzept wider. Das 15. Mal findet dieses Wochenende die Nadel + Faden in Osnabrück statt. Und obwohl ich zwischendurch bestimmt 8 Jahre nicht dort gewesen bin, fand ich die Messe fast unverändert. Noch immer zu einem sehr großen Teil die gleichen Aussteller an den gleichen Plätzen. Noch immer ganz, ganz viele wunderschöne Patchworkstoffe, viele Stick-Aussteller und relativ wenig Strickangebote - wenngleich letzteres doch zugenommen hat in den vergangenen Jahren. Aber: keine Spinnräder, sehr wenig Rohwolle - gibt es dafür keinen Markt? Oder keine Anbieter, die zu dieser Messe fahren? Nun gut.
Der Tag gestern war toll. Ich bin mit dem Zug angereist, der voll war, aber nicht überfüllt, war reichlich früh in Osnabrück und habe eine lange Zeit den wunderschönen Schloßpark genossen und dort auf einer Bank in der Sonne gesessen. Direkt vor mir waren Felder mit Blumen bepflanzt, einige Felder in Gelbtönen, die anderen in Lila und Weiß - leider hatte ich keine Kamera mitgenommen, was mich dort doch geärgert hat.
Als die Messe um 14 Uhr ihre Tore öffnete, gehört ich zu den ersten, die hineinkamen und es war Zeit, die angesagtesten Stände noch in Ruhe zu besichtigen und sich umzusehen. Eine halbe Stunde später war dort schon alles belagert - und man kann ja über handarbeitende Frauen sagen was man will, ihre Ellenbogen wissen sie gut einzusetzen 
Schon etwas früher als 15 Uhr war ich dann am Strickrausch-Stand von Gabi Kluge und fand dort sie - strickend - und ihren Mann. Ich stellte mich vor und wir kamen sofort ins Gespräch. Gabi erinnerte sich noch an unseren Mail-Kontakt, obwohl der schon viele Jahre zurück liegt, kannte meinen Namen, meinen Wohnort. Sie ist eine sehr herzliche Frau, die aber genau weiß, was sie will. Der Kurs war ausgebucht und unter den Augen vieler interessierter Messe-Besucherinnen und belagert von der Presse, haben wir dort einen Möbiusschal begonnen. Nun ist dieser Schal und die Art ihn zu stricken nichts Neues für mich, aber darum ging es mir auch nicht. Mir war der persönliche Eindruck wichtiger. Und da ich in meiner allgemeinen, derzeitigen Strickflaute ohnehin auf der Suche nach neuen Herausforderungen bin, ist das Strickrauschen wieder stärker in den Fokus gerückt. Mal schauen, ob sich daraus etwas aufbauen lässt.
Ich traf auf der Messe einige bekannte Gesichter. Menschen, die ich dort erwartet hatte, aber auch solche, die ich nicht zu sehen erwartet hatte. Eine Freundin aus München beispielsweise, die das ganze Wochenende dort verbringt. Oder eine sehr liebe Arbeitskollegin, die mich beim Möbiusschal stricken sah. Wir sind dann später nach einem anstrengenden Tag gemeinsam im Zug wieder heimgefahren und hatten viel zu erzählen. Von Stoffen und Nähmaschinen, von Wolle und Möbiusschals.
Das war ein toller und anstrengender Tag mit vielen Farbeindrücken. Ich habe mir Stickvorlagen mitgebracht, ein paar Perlen für neue Maschenmarkierer und ein Knäuel Sockenwolle, aus dem ich definitiv keine Socken stricken werde. In meiner Tasche ist ein angefangener Möbiusschal und ein Bündel neuer Ideen geistern durch meinen Kopf. Ich weiß, dass ich die nächsten Jahre wieder pausieren kann mit dem Messebesuch - und dass nach diesen vielen gesehenen farbenfrohen Patchworkstoffen mein Mantra auch weiterhin lauten muss: ich brauche kein neues Hobby … ich brauche keine neues Hobby … ich brauche kein neues Hobby … ich brauche …