Chaostag mit Paukenschlag
Samstag, Dezember 19th, 2009Nein, ich erzähle nichts von chaotischen Verkehrsverhältnissen am frühen Morgen, bei der die Polizei die “Trotzdem-Raser” auf der Autobahn durch massiven Einsatz von Polizeiwagen ausgebremst hat. Ich erzähle auch nichts von zu viel Arbeit für zuwenig Arbeitsstunden, nichts von massiven EDV-Problemen, nichts von starkem Schneefall und viel Verkehr auf dem Heimweg am späten Nachmittag. Nein, heute gibt es hier ein anderes Thema, dass uns tief berührt.
Täglich lesen und hören wir in den Medien von gewalttätigen Übergriffen auf andere Menschen. Manchmal sind wir einen Moment lang betroffen, machen uns Gedanken, aber in den meisten Fällen sind die Taten so weit weg von unserer Lebenswirklichkeit, dass es uns nicht lange berührt.
Gestern auf dem Heimweg von der Arbeit berichteten die Nachrichten von dem Mord an einer Bremer Lehrerin, die vermutlich von einem ehemaligen Schüler erstochen wurden. Die Lehrerin unterrichtete an unserer Schule, war gerade dabei, einen guten Freund meines Sohnes im nächsten Frühjahr ins Abitur zu begleiten. Meine Kinder kennen beide diese junge Frau, mochten und respektierten sie. Vermutlich kennt auch zumindest mein Sohn den Täter, hat vielleicht mit ihm zusammen die Schulbank gedrückt. Die Betroffenheit an der Schule ist groß und an den letzten beiden Schultagen vor den Weihnachtsferien wird es vermutlich einen großen Gesprächsbedarf zwischen Schülern und Lehrern geben. In diesem Fall ist es gut, dass bei uns die Ferien noch nicht begonnen haben.
Wenn die Gewalt so unmittelbar in einen persönlichen Bereich eindringt, Menschen betrifft, die man gekannt und gemocht hat, muss man mehr als eine Minute darüber nachdenken. Man fühlt mit den Familien des Opfers, aber auch mit der Familie des Täters. Man fragt sich, was in diesem jungen Mann vorgegangen sein muss, dass er so ausrastet und sich anschließend der Polizei stellt. Hat er begriffen, dass er sich den Rest seines noch so jungen Lebens verpfuscht hat? Solche Erlebnisse gehören zu den Dingen, die man in seinem Leben nie wieder vergessen kann. Ich hätte meinen Kindern gewünscht, dass ihnen solche Erfahrungen erspart geblieben wären, und das Erschrecken über die Tat ist an ihren Gesichtern zu erkennen. Und ich hoffe, dass in der Schule am Montag intensiv gesprochen wird …
Nein, in diesem Fall reicht es nicht, sich einmal zu schütteln, um zur Tagesordnung zurück zu kehren.












