Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, bei der abenteuerlichen Rückfahrt.
Wie das manchmal so ist im Leben, man denkt, man macht alles richtig, druckt sich Fahrpläne aus, die den ganzen Tag abdecken und plant nicht ein, dass Busse manchmal ausfallen. So standen wir also in Gehrden eine Dreiviertelstunde in der Kälte und der richtige Bus kam einfach nicht. Eine befragte Busfahrerin einer anderen Linie war sehr abweisend, Hilfe war von dort nicht zu erwarten, sie schloss nur die Tür und fuhr ab. Nun gut, langsam dämmerte uns, dass der angepeilte Zug ohne uns heimfahren würde. Um nicht noch länger zu frieren, stiegen wir in eine andere Linie, um bis zur nächsten S-Bahnstation zu kommen. Die Busfahrt über Land war lang - aber auf diese Weise haben wir das Niedersachsen-Ticket wenigstens voll ausgeschöpft - Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
An der S-Bahn-Station angekommen, mussten wir wieder warten. Es war kalt, an dem einzig geschützten Platz war es klebrig, Spaß ist was anderes. Und wir sahen, dass wir auch den nächsten Zug nach Bremen um nur 4 Minuten verpassen würden. Nun ist die Bundesbahn bekanntermaßen nicht die pünklichste. Aber wenn man sich auf eines verlassen kann, dann darauf, dass sie genau dann immer sehr pünktlich ist, wenn man spät dran ist. Mit anderen Worten: das Gleis war leer, als wir ankamen. Oder im Klartext, eine weitere Stunde auf dem hannoverschen Hauptbahnhof.
Um wenigstens nicht weiter frieren zu müssen, ließen wir uns in einem Schnellimbiss nieder (naja, so ne Burger-Bude eben). Dort war es voll und auch nicht wirklich warm, aber Helge (der Fotograf) erbarmte sich und besorgte uns einen Kaffee. Während er anstand, purzelten Fußballanhänger übereinander und ich war mehr als erstaunt, mit welcher Geschwindigkeit eine (gefühlte) Hundertschaft der Polizei auflief. Aber die Situation eskalierte nicht und irgendwann fuhr unser Zug der letzten Etappe entgegen.
Besonders böse hat es Stéphanie erwischt, die als letzte von uns, noch nach Hamburg musste und eine weitere Stunde am Bremer Bahnhof warten musste, weil der angepeilte Zug natürlich ausgerechnet nicht am Samstag fährt. Ob sie da wohl bereut hat, so lange mit uns auf Reisen gewesen zu sein?
Und was war nun mit den Anruf bei Mutti? Immer langsam, kommt jetzt schon noch.
Nun waren wir keine kleine Gruppe, die da unterwegs gewesen ist. Und mit unserer immer fröhlichen Art sind wir durchaus aufgefallen. Durch fortwährendes Stricken natürlich auch. So kommt man also mit Mitreisenden, Vorübereilenden und anderen Menschen ins Gespräch. Häufig wird gefragt, was wir stricken, ob wir ein Strickclub sind, warum wir das machen. Wir wurden fotografiert (und nicht nur von unserem Fotografen) und dieses Mal sogar zum ersten Mal gefilmt. Wer weiß, vielleicht sind wir ja schon längst die Kultstars bei Youtube oder MyVideo?
Die lustigste Bekanntschaft dieser Reise war auf dem Rückweg ein Fußballfan, der sich zu unser aller Überraschung plötzlich auf einen freien Sitz plumpsen ließ. Und als wir dann wussten, wie Hannover 96 gespielt hat, wurden wir auch darüber informiert, dass Mutti auch Socken strickt - und dass “Mann” durchaus weiß, dass die Ferse das Schwierigste an einem Socken ist. Als ich durchblicken ließ, dass ich die jetzt gerade stricken müsste, wurde das Handy gezückt und Mutti angerufen, ob sie nicht einen Tipp habe für 15 Frauen, strickend im Zug, die nicht wüssten, wie man eine Ferse strickt. Leider hatte Mutti keinen Tipp so auf die Schnelle, aber sie lud uns alle ein, dann könne sie uns das zeigen. Damit hatte er natürlich die Lacher auf seiner Seite.
Von hier aus also schöne Grüße an “X-Large” und seine Mutti 
Irgendwann hatte dann auch die längste Reise mal ein Ende und ich war heilfroh, als ich mit meinen Schätzen dann am späten Abend wieder zu Hause war. Aber diese Tour wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben - und ich denke schon über den nächsten Ausflug nach - wir dürfen nicht wieder so lange warten, bis wir das nächste Mal “Zugsocken”.
Und dann war ja noch das Pomponschaf. Diese wolligen, wolkigen, kleinen Tierchen hatte ich kürzlich im Internet entdeckt, als ich krank zu Hause war. Und ich fand, dass das endlich mal eine lustige Verwendung für diese unsägliche Pomponwolle ist. Leider gab mein Stash nichts her - und dieses Garn war nirgendwo in erreichbarer Nähe zu kriegen. Erst in Hannover fand ich sie dann bei Wolle Rödel. Und nun steht der Produktion von kleinen, flauschigen Schäfchen nichts mehr im Wege. Ist ja auch bald Ostern. Die einfache Anleitung gibt es übrigens hier.