Ein paar Tage bin ich nun unterwegs gewesen - in dem Land, dass ich am liebsten mag: in England. Lange schon war die Reise geplant und wie immer ging die Zeit viel zu schnell vorbei.
Um Euch zu zeigen, was ich gesehen und erlebt habe, gibt es dieses Mal einen sehr bilderlastigen Beitrag

Da wir mit der Fähre auf die Insel gelangt sind, begrüßten uns nach einer “bewegten” Überfahrt die strahlend weißen Kreidefelsen von Dover. Vor einiger Zeit muss es hier einen kleinen Abbruch gegeben haben, noch lagen die abgebrochenen Kreidestück am Boden und die Abbruchstelle war deutlich erkennbar.

Den ersten Tag verbrachten wir bei strömendem Regen in Brighton. Solch ausdauernden Regenfälle sind wir hier in Norddeutschland gar nicht gewohnt, es hat tatsächlich 36 Stunden ohne Unterlass geregnet. Gepfleger englischer Landregen. Und alle Engländer, denen wir begegnet sind, glaubten, sich für das schlechte Wetter entschuldigen zu müssen. Dabei können sie doch selber gar nichts dafür und wer Sonne will, darf halt nicht nach England reisen. In Brighton war unsere erste Station dieser kleine Pavillion direkt am Strand.

Wie in vielen Seebädern gibt es auch in Brighton einen Pier. Dieser 1866 gebaute West-Pier wurde 1975 geschlossen, die notwendige Renovierung aus Kostengründen immer wieder aufgeschoben. 2002 brach der Pier teilweise zusammen, 2003 brach zwei Mal kurz hintereinander auf dem Pier Feuer aus. Seitdem ist der Pier dem Verfall überlassen, weil er aus Denkmalschutzgründen nicht abgerissen werden darf.

1899 wurde das zweite Pier in Brighton gebaut, dass heute noch genutzt wird. Es beherbergt eine entsetzlich laute Spielhalle in dem Kuppelgebäude und einen kleinen Jahrmarkt am Ende. Gehört in die Rubrik “Was der Tourist nicht braucht” und war echt gruselig.

Der Royal Pavilion ist der wohl exotischste Palast in England. Von außen ist seine Architektur indischen Palästen nachempfunden, von innen wie chinesische Paläste ausgestattet. Er wurde zwischen 1815 und 1822 von Charles IV erbaut.

Durch den nahen Golfstrom hat der Süden von England ein sehr mildes Klima. Dort gedeihen Pflanzen und Palmen, die man sonst nur aus den Mittelmeerregionen kennt. Besonders auffällig war dieser Strauch mit den besonderen gelben kugeligen Blüten. Leider konnte ich noch nicht herausfinden, um welche Pflanze es sich handelt.

Typisch englische Autos sind uns natürlich auch begegnet. Wusstet Ihr, dass in England im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern die meisten Cabrios zugelassen werden? Das liegt vor allem daran, dass warme, sonnige Tage in England so selten sind, dass die Menschen dort diese kurze Zeit möglichst ganz auskosten möchten. Und während die Autofahrer in südlichen Ländern, in denen es oft warm ist, eher klimatisierte Autos bevorzugen, fahren Engländer eben lieber oben offen. Das hat dort auch schon eine lange Tradition.

Anders als in Deutschland sind die Fußgänger-Anzeigen an den Ampeln an vielen Stellen auf der gleichen Seite angebracht, auf der man steht. So kann nicht ein LKW die Sicht auf die Rot-oder-Grün-Anzeige verdecken und man kann sich immer durchschlängeln. Aber als Kontinental-Europäer schaut man schon erst mal etwas merkwürdig und sucht die rettende Anzeige.

Ein paar von den alten, englischen Telefonzellen gibt es noch zu sehen. Die meisten sind allerdings kaputt und die neuen sehen inzwischen ganz anders aus. Schade drum. Dafür gibt es aber ….

… von den englischen Taxen noch ganz viele. Moderne, so wie dieses hier, aber auch noch ganz alte fahren davon durch die Gegend. Inzwischen sind sie nicht mehr nur schwarz, sondern werden auch bunt bemalt als Werbeflächen genutzt. Wir haben uns den Luxus einer Taxifahrt gegönnt und im Gegensatz zu vielem anderen, was in England sehr teuer ist, ist die Benutzung der verschiedenen Verkehrsmittel preiswert. Das gilt für die Taxen genauso wie für die Benutzung der U-Bahn. Und bequem ist sowohl das eine wie das andere, wenn auch die U-Bahnen sehr laut und oft sehr voll sind.

Mein größter Wunsch für diese England-Reise war unbedingt eine Runde mit dem London-Eye zu drehen. Ich war inzwischen schon mehrere Male in London und brauchte nicht zwingend erneut die üblichen Touristen-Attraktionen, aber das Riesenrad war das einzige, was ich unbedingt sehen wollte. Die ersten Tage sah es bei dem dauernden Regen gar nicht danach aus, als würde mein Wunsch noch in Erfüllung gehen. Aber am letzten Tag klarte das Wetter auf, die Hochhäuser-Spitzen tauchten aus dem tiefen Wolken auf und mir war da fast schon egal, wieviele Kilometer weit ich oben würde gucken können. Allein die gewaltige Konstruktion des Rades war faszinierend.

Das London-Eye ist 135m hoch und hat 32 gläserne Gondeln. Jede Gondel fasst ungefähr 20 Personen, eine Runde dauert ca. 30 Minuten, die wie im Flug vergehen. Das Rad dreht sich sehr langsam immer weiter und man steigt auch bei laufendem Betrieb in die Gondeln ein. Oder stolpert eher hinein. Gelegentlich wird es kurz angehalten, damit auch körperlich beeinträchtigte Menschen gefahrlos einsteigen können, oder wenn eine der Gondeln turnusmäßig gereinigt und auf unberechtigt abgelegte Dinge untersucht wird.

So ziemlich das Erste, was man von der aufsteigenden Gondel aus sieht, ist das House of Parliament. Auf der Brücke davon erkennt man deutlich die roten Doppeldecker-Busse, die in ganz London und manchmal auch darüber hinaus fahren. Das House of Parliament erscheint aus dieser Perspektive noch viel größer und beeindruckender zu sein, als wenn man direkt davor steht. Vielleicht deshalb, weil man von oben auch die Innenhöfe erkennen kann, die aus der Fußgänger-Perspektive verborgen bleiben.

Vom London Eye aus hat man einen tollen Blick über die ganze Stadt, auch bei so schlechter Sicht wie wir sie hatten, ist das noch beeindruckend. Auf diesem Bild kann man so ziemlich in der Mitte die Kuppel von St. Pauls Cathedral erkennen. In den Gondeln sind kleine Bildschirme angebracht, auf der markante Häuser markiert sind. Darüber kann man weitere Informationen zu allen wichtigen Daten abrufen. Davon habe ich rege Gebrauch gemacht.

Und noch ein letztes Foto auf dem London Eye. Hier ist der Bahnhof Charing Cross Station zu sehen, dessen tolle Architektur man auch erst von oben so wirklich wahrnimmt.

Vom London Eye sind wir dann mit dem schon gezeigten Taxi zum Covent Garden gefahren. Dort findet man eine große Markthalle, mit verschiedenen Ebenen und einem wechselnden Angebot. Geschützt vor den Unbilden des Wetters spielten dort Straßenmusikanten auf. Diese hier kamen mit aufs Foto, weil sie gerade den Kanon D-Dur von Pachelbel spielten, als wir dort vorbei kamen und ich dieses Musikstück doch so sehr liebe. Ich konnte mich kaum lösen, aber die anderen drängten von quälendem Hunger geplagt, doch schnell zum Weitergehen.

Covent Garden war schon fast wieder die letzte Station unserer Reise. Überall in London, aber auch in den kleinen Orten, die wir an den Abenden besuchten, war alles noch festlich und “very british” geschmückt. Erst einige Tage zuvor hatten die Feierlichkeiten zum Diamantenen Thron-Jubiläum der Queen stattgefunden, als wir dort waren, feiert Prinz Philipp seinen 91. Geburtstag und eine Woche später fand die Geburtstagsfeier der Queen statt. Eigentlich hat sie im April Geburtstag, die offizielle Feier findet aber traditionell erst im Juni statt - in der Hoffnung auf besseres Wetter.
Reisen nach England sind irgendwie immer zu kurz. Früher mal hatte ich einige Anstrengungen unternommen, dort leben zu können, aber irgendeine Hürde blieb immer zurück, die ich nicht nehmen konnte. Ich würde noch heute gerne mal ein paar Jahre dort leben und ich werde wohl nie aufhören, darauf zu hoffen, dass es irgendwann doch noch klappt.