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Sorgen-Tag

Es gäbe heute so viel zu erzählen, aber nach fünf Anläufen gebe ich jetzt auf, weil ich einfach nicht die richtigen Worte finde. Die Kurzform ist, dass die Freundin meiner Tochter gestern Abend von zu Hause weggelaufen und bei uns untergekrochen ist. Das beschäftigt uns in der Familie - und es beschäftigt eine Batterie von Psychologen, Mitarbeitern vom Jugendamt und die Polizei. Das Mädel braucht dringend Hilfe und blockt alles gänzlich ab. Ich sorge mich um sie. Und angesichts von so viel Angst und verzweifelter Auflehnung gegen alles, die deutlich bei dem jungen Mädchen spürbar und sichtbar ist, fühle ich mich gänzlich hilflos.

Auf der anderen Seite merke ich aber wieder einmal, wieviel Glück ich mit meinen eigenen Kindern habe, die die Pubertät eigentlich so gut wie ausgelassen haben. Die wenig Schwierigkeiten machen und ungeheuer liebevoll sind. Diese Beiden sind das größte Glück meines Lebens …

4 Responses to “Sorgen-Tag”

  1. Petra
    April 30th, 2008 20:29
    1

    Solche Sachen sind natürlich traurig und bestürzend. Auf der anderen Seite ist es natürlich toll, dass das Mädchen so viel Vertrauen zu dir/euch hat, dass sie bei euch Unterschlupf sucht! Sie hätte ja auch ganz weglaufen können.

    Liebe Grüße
    Petra

  2. Cecie
    Mai 1st, 2008 11:35
    2

    ist es also soweit… ich weiss nicht, ob ich “endlich” sagen soll - ich stimme aber petra zu: sie hat das richtige getan, weil ich dich kenne und weiss, dass du dafür sorgen wirst, dass das richtige und beste für das mädchen getan wird. ich hoffe, dem tochterkind und der freundin gehts halbwegs (ist das das mädchen, das bei meinem besuch mit da war?); sag bitte viele grüsse.

    ich denk an dich und die mädelz und euch.

    liebe grüsse, silke

  3. Kristin
    Mai 1st, 2008 19:39
    3

    Ach, Ihr Beiden, die Freundin ist unterdessen weiter zur nächsten Freundin gezogen, meldet sich aber regelmäßig bei uns und hat auch einen Teil ihrer Sachen hier gelassen. Ich mache mir große Sorgen, ich halte das Mädel für akut gefährdet. Machen kann ich leider nichts, außer immer wieder Zuflucht zu bieten.
    Meine Tochter leidet ohne Ende und macht sich auch große Sorgen um die Freundin. Ich hoffe, dass sich bald eine annehmbare Regelung für das Mädchen finden lässt.
    Besorgte Grüße
    Kristin

  4. Buecher-und Wollkistchen » Blog Archive » Ich muss das mal loswerden
    Juni 18th, 2008 16:33
    4

    […] Heute früh habe ich entschieden, dass meine Tochter vorerst nicht mehr in die Schule geht. Die Situation mit ihrer Freundin eskaliert und mein Kind hat keine Kraft und keinen Mut mehr, noch irgendetwas dagegen zu halten. Am Montag hatte ich schon gesagt, dass ich sie bis zum Ferienanfang im Juli aus der Schule nehme und im Zweifelsfall zu ihrer Freundin nach Mainz schicke, aber da standen noch Arbeiten an. Doch gestern gab es wieder Schwierigkeiten und heute war mein Mädel schon beim Aufstehen so kreideweiß im Gesicht, dass ich sie postwendend wieder ins Bett geschickt habe. Dort ist sie geblieben und hat fast den ganzen Tag geschlafen. Was ist passiert? Die Freundin meiner Tochter ist ja vor einiger Zeit von zu Hause ausgerissen. Dabei war sie auch bei uns untergekrochen, bevor sie dann für einige Tage komplett verschwand. Ich habe das hier und hier erzählt. Nach knapp einer Woche ist sie dann zu ihrer Mutter zurückgekehrt, um zwei Wochen später völlig aufgelöst und fürchterlich weinend wieder bei uns aufzutauchen. Auch davon habe ich erzählt. Inzwischen lebt das Mädchen in einem Jugendheim, übergangsweise, und wird voraussichtlich in den Sommerferien in eine betreute Jugend-WG ziehen. Ich weiß nicht, was in der Zwischenzeit mit dem Mädchen und der Mutter passiert ist, aber das Kind hat angefangen ziemlich viel Alkohol zu trinken, zu rauchen und sich wiederholt mit Rasierklingen die Arme aufzuritzen. Gegenüber meiner Tochter droht sie mit Selbstmord und erneutem Weglaufen und bitte eindringlich um Hilfe. Die Selbstmord-Drohungen setzen meiner Tochter enorm zu. Und wecken böse Erinnerungen an einen Vorfall vor zwei Jahren. Da tauchen wieder Bilder in ihr auf, die sie nicht beherrschen kann. Mein Mädchen träumt schlecht, weint viel und hat unglaublichen Gesprächsbedarf. Sei lehnt es aber ab, sich jemandem vom Jugendamt, von der Schule oder einem Psychologen anzuvertrauen. Sie spricht nur mit mir. Selbst als sie am Dienstag eine Unterrichtsstunde geschwänzt hat und weinend im Schulgebäude auf der Treppe saß, mochte sie niemandem erzählen, was sie bedrückt. Glücklicherweise hat ihr Bruder sie gefunden und sich um sie gekümmert. Wenn ich abends von der Arbeit heimkomme, erwartet sie mich schon und wir sitzen lange auf dem Sofa oder in der Küche, bis sie alles losgeworden ist, eine Runde geweint hat und sich ein bisschen beruhigt hat. Mir setzt das auch zu, aber einen Rat weiß ich inzwischen auch nicht mehr. Außer halt meiner etwas hilflosen Reaktion, sie jetzt aus der Schule zu nehmen und so eine räumliche Trennung zwischen ihr und ihrer Freundin durchzusetzen. Erst einmal jetzt bis zum Wochenende. Und dann sehen wir weiter. […]

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