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Der mühsame Weg zurück in den Schulalltag

Nach dieser tragischen Geschichte ist noch immer keine wirkliche Ruhe eingekehrt in unserer Schule und das kann man wohl auch noch nicht erwarten.
An den beiden letzten Schultagen vor den Weihnachtsferien war an geregelten Unterricht natürlich gar nicht zu denken. Das Tochterkind war wie versteinert, starr vor Angst - niemals habe ich das so böse und intensiv erlebt wie in diesen Tagen. In den Ferien haben sich immer wieder Schüler an der Schule getroffen, haben Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt oder wieder angezündet. Als dann nach den Ferien die Schule wieder begann, waren die ersten Tage extrem schwierig. Für die Schüler, aber auch für die Lehrer. Glücklicherweise gab und gibt es immer noch Hilfsangebote von Psychologen und Seelsorgern. Im Unterricht bieten die Lehrer Gespräche an, die so manches Mal auch ihre eigenen Grenzen berühren und überschreiten.
Meine Tochter hatte die Lehrerin nicht im Unterricht, aber natürlich hat sie sie gekannt und sich manchmal auch Hilfe suchend an sie gewendet. Mein Sohn hat von der 5. bis 13. Jahrgangstufe zeitweise mit dem Täter gemeinsam Unterricht gehabt. Als er von der Tat erfuhr, war seine erste Vermutung schon die, dass eigentlich nur dieser junge Mann als Täter in Frage kommen würde. Den Schock mildert das aber nicht.
Besonders betroffen hat mich gemacht, dass der Täter jetzt offensichtlich in den Vernehmungen den Lehrern vorwirft, sie hätten sich nicht ausreichend um ihn gekümmert, sonst wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen. Zu den Ängsten, die diese Tat im Lehrerkollegium ausgelöst hat, kommen jetzt auch Zweifel und Vorwürfe, die sich die Lehrer machen.

In ein paar Wochen werden Schüler der ermordeten Lehrerin ins Abitur einsteigen müssen.  Nach einer solchen Tat ist das, denke ich, eine große Belastung für die jungen Menschen. Ich wünsche ihnen, dass wenigstens der Prozess gegen den Täter erst nach den Abiturprüfungen beginnt, weil das mit Sicherheit vieles noch einmal aufwühlen wird.

Es gibt Dinge im Leben, die möchte man nicht erleben. So etwas gehört dazu.

2 Responses to “Der mühsame Weg zurück in den Schulalltag”

  1. Ruthy
    Januar 22nd, 2010 15:33
    1

    Ich finde es allgemein nur seltsam, daß lt. den meisten Tätern immer “die Anderen” schuld sein sollen…
    Mitfühlende Grüße, Ruth

  2. Kristin
    Januar 24th, 2010 10:18
    2

    Stimmt, das geht mir auch so. Aber letztlich ist das ja auch einfacher - und wird bei der Verurteilung der Straftat dann ja auch mit mildernden Umständen “belohnt”. Blöd wäre also der, der nicht auf die Idee käme, jemand anderem (und seien wir mal ehrlich, meistens sind ja die Eltern schuld, vorzugsweise die Mutter oder der brutale Stiefvater) die Schuld zuzuweisen.

    Ich habe gestern ein langes Gespräch mit dem Freund meines Sohnes geführt und es kamen dabei noch erschreckende Einsichten zu Tage.

    Bedrückte Grüße
    Kristin

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